24 Stunden Wanderung: Watzmann Alpin in Berchtesgaden

Start der 24h Wanderung
Start der 24h Wanderung

Was als Idee bei der morgendlichen Kaffeerunde auf der Arbeit begann, wurde im Juli 2017 in die Tat umgesetzt: Die 24 Stunden Wanderung im Berchtesgadener Land. Dazu hatten wir uns die 56km lange Watzmann Alpin Route ausgesucht, die u.a. zum Watzmannhaus hinaufführte.

 

Um kurz nach 9 fiel dann der Startschuss. Samt Hund sind wir zu siebt unter Jubeln der wenigen Zuschauer und euphorischen Worten des Moderators durch den Startbogen des Wanderfestivals Berchtesgaden losgezogen. Obwohl das Wetter sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht von seiner besten Seite gezeigt hatte konnten wir zumindest im Trockenen die erste Etappe angehen. Unsere Guides konnten wir leider am Anfang noch nicht identifizieren; wir konnten aber der Menschenmasse der Wanderung einfach folgen.


 

 

Kühroint-Alm
Kühroint-Alm

Wir starteten also in Richtung Königssee. Das Anfangstempo war erstaunlich hoch. Da die erste Etappe aber relativ flach und gut ausgebaut war, war dies auch kein Problem. Nach wenigen Kilometers folgte die erste Pause. Leider schien selbst der Guide nicht zu wissen, wie die Pausen organisiert waren. Daher haben wir eher durch Zufall als durch Hinweise des Guides die aufgebaute Verpflegungsstation entdeckt. Nachdem wir uns wieder mit Apfelschorlen und Schokoriegeln eingedeckt hatten, ging es weiter. In einem ähnlich schnellen Tempo ging es eine steile Schotterstraße zur Kühroint-Alm hinauf. Unsere Wandergruppe fing an sich immer weiter auseinander zu ziehen, da alle doch ein recht unterschiedliches Tempo an den Tag legten. Trotzdem haben alle in der vorgesehen Zeit die nächsten Verpflegungsstation auf der Kühroint-Alm erreicht. Diese war auch viel offensichtlicher zu finden und wir reihten uns für mehr Apfelschorlen und deftige Brote mit Käse ein.

 

 

 

Das Wetter wurde immer besser und ab und zu ließ sich sogar die Sonne blicken. Nach der leichten Stärkung ging es weiter bergauf Richtung Watzmannhaus. Der Weg wurde deutlich schmaler und unwegsamer. Erst diese Etappe würde ich als alpine Wanderung bezeichnen, die einen erhöhten Schwierigkeitsgrad hatte. Dadurch war diese Strecke aber auch meine Lieblingsetappe. Man konnte über Felsen klettern und entlang kleinerer, gesicherter Hänge balancieren. Obwohl das öfter einen kleinen Stau in der Gruppe verursachte, gab dies einem auch die Möglichkeit die tolle Aussicht zu genießen und die Zeit ein paar Fotos zu machen. Die Gruppe zog sich aber immer weiter auseinander und man konnte vor sich eine Schlange an Menschen erkennen, die an eine Ameisenstraße erinnerte.

 

Farbenfrohes Regenjackenmehr vor dem Watzmannhaus
Farbenfrohes Regenjackenmehr vor dem Watzmannhaus

Nach mehreren Stunden erreichten wir dann nachmittags den höchsten Punkt der Wanderung: Das Watzmannhaus (1.930m). Leider hatten wir damit auch die Wolkengrenze erreicht und es wurde deutlich kühler und die Aussicht schlechter. Daher zogen sich alle schnell in das Haus zurück, in dem auch das Mittagessen serviert wurde. Leider stieß die Kapazität des Watzmannhauses durch die Größe der Wandergruppe schnell auf seine Grenzen und der Organisationsplan der Mittagspause ging im anfänglichen Getümmel erst einmal unter. Nachdem wir aber für uns (inklusive Hund) einen Platz an einem Tisch gefunden hatten, fanden wir auch schnell heraus, dass es eine Suppe zum Mittagessen gab und was das Protokoll für die Bestellung war. Wenige Minuten später stand auch schon eine dampfende Speckknödelsuppe vor uns. Unter hungrigen Schweigen verschwand diese auch sehr schnell und einige von uns blickten danach sehr neidisch auf den Hund in unserer Gruppe, der gemütlich unter dem Tisch schlummerte. Für uns gab es leider keine lange Erholungspause bevor es schon wieder weiter ging. Der Blick nach draußen zeigte, dass mittlerweile der Regen eingesetzt hatte. Viele bunte Regenjacken, -hosen und Rücksackschutzhüllen kamen daher zum Einsatz als der Abstieg vom Watzmannhaus Richtung Ramsau begann.

 

Während des gesammten Abstieges konnte man sich nicht so richtig entscheiden, ob man die Regensachen lieber an- oder ausziehen wollte. Mal nieselte es leicht, mal wurde es wieder schwül; ein ständiges Anhalten und Umziehen war die Folge. Egal wie man sich entschieden hatte, bei der Ankunft in Ramsau war die Kleidung nass. Der Abstieg selber ging sehr schnell. Zum einen führte der Weg ohne großere Umwege direkt bergab und zum anderen war das Tempo der Wandergruppe wieder sehr hoch.

Etwas verfrüht kamen wir zum Abendessen in Ramsau an. Der rasante Abstieg verursachte aber bei vielen Wanderern (ich inklusive) Gelenkschmerzen in Knien oder Hüfte. Glücklicherweise wurden wir aber bei der Abendpause mit dem Angebot einer Massage überrascht. Dieses nahmen dann auch viele dankend an. Außerdem gab es ein großes warmes Buffet sowie reichlich Bier und Radler. Nachdem wir dann den Zieleinlauf der 12 Stunden Wandergruppe bejubelt hatten, ging es auch schon wieder recht überstürzt weiter.

 

 

Das nächste Highlight war der Zauberwald. Bunte Scheinwerfer sollten die Pflanzenwelt und Felsen entlang eines Baches beleuchten währen aus versteckten Lautsprechern klassische Musik erklang. Das ganze Konzept war sehr toll und magisch. Leider waren wir zu dem Zeitpunkt als wir den Zauberwald erreichten unserem eigentlichen Zeitplan schon weit vorraus. Dadurch war es noch viel zu hell, so dass die Beleuchtung kaum zur Geltung kam. Außerdem schienen die Arbeiter, die die Lichter und Lautsprecher installiert hatten, noch nicht ganz fertig gewesen zu sein, was zur Folge hatte das die Arbeiter und diverse Kisten noch überall herumstanden. Dadurch war die mystische Stimmung, die wir im Zauberwald erwartet hatten und deren Potenzial wir auch sehen konnten, noch nicht stark spürbar.

Nach dem Zauberwald führte uns die Wanderung zum Hintersee. Als wir am See ankamen, wurde uns erst bewusst über welche Distanz sich unsere Gruppe mittlerweile gezogen hatte. Obwohl wir noch einige Leute hinter uns hatten, hatten es schon viele Wanderer um den See herum auf die andere Seite geschafft. Man fing an sich ein wenig gehetzt zu fühlen obwohl wir noch in dem Zeitplan der Wanderung lagen. Als auch wir auf der gegenüberliegenden Seite des Hintersees ankamen, war von den Wanderern vor uns keine Spur mehr zu sehen. Da die nächste Weggabelung nicht sehr eindeutig markiert war, waren wir ein wenig unsicher welche Richtung wir als nächstes einschlagen sollten. Nachdem die Wanderkarte zu Rate gezogen wurde, folgten wir der Verkehrsstraße in Richtung Taubensee. Dort sollte die nächste Pause stattfinden. Bei den langen Geraden konnten wir auch endlich wieder andere Leute unserer Gruppe vor und hinter uns erkennen. Wir waren also doch noch auf dem vorgesehenen Weg. Ich persönlich fand das sehr schade, dass sich die Gruppe so auseinander gezogen hatte. Eine der Gründe warum ich begeistert war an der 24 Stunden Wanderung teilzunehmen war, das es ein organisiertes Gruppenevent war an dem viele verschiedene Leute teilnehmen. Durch die Kilometer lange Separation hätte man auch genauso gut nur mit Freunden wandern gehen können. Ein Gruppenfeeling in dem man sich gegenseitig aufbaut und antreibt die Herausforderung durchzustehen kam nicht auf.

 

Mittlerweile hatten einige Leute wieder starke Schmerzen in den Knie-und Hüftgelenken. Die Massage bei der letzten Pause hatte die Probleme doch nur für kurze Zeit gelöst. Nach viele Diskussionen und Tränen entschieden sich einige Leute die Wanderung beim nächsten Verpflegungsstopp abzubrechen. Darunter war auch ich. Obwohl bei mir der Grund dafür eher solidarischer Natur war, war das schon keine leichte Entscheidung. Schon von Anfang an hatte uns alle der Ehrgeiz gepackt diese 24 Stunden durchzuziehen. Allerdings wurde uns irgendwann auch bewusst, wie idiotisch es ist nicht auf seinen Körper zu hören und zu riskieren das man wegen so einen Event Langzeitprobleme bekommen könnte. Daher fiel die Entscheidung von zweien von unserer kleinen Gruppe nach stundenlangem Hin und Her aus der 24 Stunden Wanderung eine 15 Stunden Wanderung zu machen.

Für den letzten Kilometer vor der Verpflegungsstation nahe des Taubensees wurde es dann auch langsam dunkel. Obwohl einige schon die Stirnlampen auspackten, genossen wir noch die Dämmerung. In dem Waldstück am Taubensee tummelten sich nämlich viele Glühwürmchen, die man mit den Stirnlampen nicht wahrnehmen konnte.

Nach der Pause fuhr ich also mit ein paar anderen mit dem Shuttle wieder zurück nach Berchtesgaden. Daher berichtet über den Nachtteil der 24 Stunden Wanderung mein Kollege, der auch die letzten neun Stunden miterlebt hat:

Nach Einsetzen der Dunkelheit begann die Nachtwanderung im Schein unzähliger Kopflampen vom Taubensee hinauf zur Mordaualm. Dort brannte das Lagerfeuer bereits lichterloh und Blasmusik sorgte für zünftige Unterhaltung – manche Teilnehmer trauten sich auch nach gut 14 Stunden auf den Beinen noch ein Tänzchen zu.

 

Von hier aus wurde in Richtung Loipl abgestiegen und ohne große Umwege zur Talstation der Hochschwarzeck Sesselbahn weiter marschiert. Dort hatte man die Wahl, sich mit dem Sessellift zur Berggaststätte auf dem Hirschkaser chauffieren zu lassen oder den Aufstieg zu Fuß zu bewältigen. Und an dieser Stelle sei gesagt: Ein Lob all denen, die sich die paar Euro extra für den Lift gegönnt haben, denn für drei Uhr in der Früh ist dieser Aufstieg einfach zu steil und unbequem. Oben angekommen, auf welchem Wege auch immer, wurde dann die große Frühstückspause ausgerufen. Leider waren wir die Nacht über insgesamt immer weit vor unserem Zeitplan unterwegs, so dass die Pause auf dem Hirschkaser auf gute 3 Stunden ausgedehnt wurde und spätestens zur Bergandacht um 6 Uhr morgens konnte wirklich niemand mehr die Augen offen halten. Anschließend wurde aber endlich wieder gewandert, das Ziel Berchtesgaden in trügerischer Nähe. Vorbei am Toten Mann und der folgende Abstieg über Strub zog sich dann allerdings bei permanentem Nieselregen doch noch ganz schön in die Länge – zeitlich wie räumlich, denn die Gruppe wurde auf der letzten Etappe soweit auseinander gezogen, dass man sich an der Kaserne in Strub erst einmal wieder sammeln musste. Von hier aus ging es dann geschlossen nach Berchtesgaden, wo die 24h-Wanderer herzlich und lautstark auf dem Weihnachtsschützenplatz in Empfang genommen wurden. Wie schon in den 24h zuvor wurden wir auch hier wieder gut und reichlich verpflegt, sodass nahezu alle Teilnehmer noch die Kraft aufbringen konnten, die Verleihung der Finisher-Urkunden mit obligatorischem Fototermin zu genießen.

 

Fazit: Die 24h-Wanderung war gut organisiert, es gab viele gut bestückte Verpflegungspunkte und die Guides waren, so wie das gesamte Organisations-Team, immer freundlich und gut gelaunt. Leider haben die Guides bei der Watzmann alpin Tour ein viel zu hohes Tempo angeschlagen, so dass sich die Gruppe immer weit auseinander gezogen hat und wir jedes Etappenziel weit vor dem Zeitplan erreicht haben – was die Pausen dann unnötig lang hat werden lassen.

 

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