Höhentour und Eisausbildung um und auf dem Großvenediger

Unmittelbar nach unserer Querung des Hauptkamms der Alpen machten Hannah und ich erst einmal ein paar Tage Pause im Virgental, um danach unsere erste richtige Hochtour anzugehen. Dafür hatten wir beim DAV-Summit ein mehrtägiges Übungsprogramm mit abschließender Besteigung des gletscherbedeckten Großvenedigers (3666m) gebucht. Ausgangspunkt für alle Tage war die Johannishütte. Sie liegt unterhalb des Großvenedigers im Dorfer Tal. Sie ist gut und modern ausgestattet, was wohl auch daran liegt, dass sie auch mit dem Taxi erreichbar ist. Außerdem sind wirklich alles Essen, das auf dieser Hütte zubereitet wird, bombastisch gut.

 

Am ersten Tag der Woche trafen wir die anderen vier Teilnehmer und unseren Bergführer Helmuth in Hinterbichl. Von dort ging es direkt zur Johannishütte. Abends folgten die obligatorische Vorstellungsrunde und die Planung für die kommenden Tage. Am zweiten Tag folgten eine Übungseinheit zum Bewegen im Gelände und erste Klettereien. Leider hatten wir richtig Sauwetter mit Sturmstärke und eiskalten Schneegriesel. Wir waren froh, dass die kommenden Tage uns dafür bestens mit grandiosem Wetter entschädigten. Am dritten Tag stiegen wir zum Türmljoch, um dort etwas Zeit auf einem kleinen aber feinen Klettersteig zu verbringen und uns in der Höhe zu akklimatisieren. Auf der Rückseite des Steigs gab es zur Belohnung Unmengen an Edelweiß. Danach ging es noch weiter auf über 3000m fast bis zum Großen Happ. Auf den dortigen Eisfeldern übten wir, was zu tun ist, wenn man auf Eis ausrutscht. Abends folgten weitere Informationen z.B. zur Wetterkunde. Am vierten Tag stiegen wir über den Zettalunitzkees auf zum Defreggerhaus. Dabei übten wir den Aufbau und den Gang in der Seilschaft, sowie die Bewegungen über unterschiedlich geneigtes Eis mit Steigeisen und Pickel. Außerdem bauten wir mithilfe von Eisschrauben Sicherungen und übten die Mannschaftszugrettung. Hannah blieb an diesem Abend auf dem Defreggerhaus, um sich den schwierigen und langen Anstieg zum Großvenediger etwas zu erleichtern. Der Rest ging wieder hinab ins Tal.

 

Am nächsten Morgen ging es sehr früh los. Um 5 Uhr verließen wir die Johannishütte, bestaunten die Milchstraße und machten uns auf den Weg zum Defregger Haus. Dort sammelten wir Hannah ein und wanderten zum Einstieg auf den Gletscher. Dort bauten wir unsere Seilschaft auf und los ging es! Zuerst überquerten wir den Mullwitzkees und den Oberen Keesboden. Kurz vor dem Gipfel des Großvenedigers umflog uns noch ein Einmotoriger Jagdflieger aus dem zweiten Weltkrieg. Als wir endlich gegen halb 1 auf dem Gipfel standen war alle Mühe vergessen.  Strahlender Sonnenschein und die beste Fernsicht seit Jahren (Aussage des Bergführers)! Über 100km weit konnte man sehen. Einschließlich Karwendelgebirge im Norden, Großglockner im Osten, Dolomiten im Süden und bis zur Ortler Gruppe im Westen. Leider waren fast alle Bilder vom Gipfel von Hannah aufgrund des Gletschers überbelichtet. Daher können wir nicht viel davon zeigen. Nichtsdestotrotz, es war GRANDIOS! Danach folgte der Abstieg ganz hinab zur Johannishütte. Erschreckenderweise sahen wir erst beim Abstieg die großen Gletscherspalten… Unten angekommen belohnten wir uns zünftig mit Kässpätzlen und ordentlich Bier. Am letzten Tag stand ursprünglich eine Besteigung der südlich gelegenen Kreuzspitze an, aber sowohl Hannah als auch ich waren einfach zu platt, um das zu bewältigen. Daher blieben wir im Tal und plünderten die Küche der Hütte.  Am nächsten Morgen ging es dann früh hinab ins Tal und ab nach Hause nach zwei Wochen im Tauernfenster.

 

Fazit:

 

Einmal mehr kann man sagen, dass wir mit dem DAV-Summit sehr zufrieden waren. Kompetente Betreuung, Gute Führung, Anpassungsfähigkeit. Zudem bomben Wetter. Tolle Woche! Nichtsdestotrotz ist solch eine Höhentour, besonders über Gletscher, körperlich sehr anstrengend und nur für geübte Bergwanderer geeignet! Wenn keine einschlägige mehrjährige Gletschererfahrung vorhanden ist, sollte man immer einen Bergführer buchen, da diese die Situation auf dem Gletscher am besten einzuschätzen wissen.

 

Marco & Hannah

 

Auf- und Abstieg knapp 1600m

15km Strecke

Mehr Informationen gibt es hier

 

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