Querung des Alpenhauptkamms in 6 Tagen von Mittersill nach Prägraten am Großvenediger

Im Spätsommer des Jahres 2016 machten sich 6 Personen auf zur heroischen Überquerung des Alpenhauptkamms mit Erklimmung eines 3000ers. Hannah, Lena, Andrea, Stefan, Stephan und ich wählten dabei die Gegend der Felbertauern als Ausgangspunkt und folgten danach dem Venediger Höhenweg bis nach Prägraten am Großvenediger. Ursprünglich sollte die Wanderung noch einen Bergkamm bis in das Defreggental weitergehen, aber aus wettertechnischen Gründen, Überschätzung unsereins und Unterschätzung des Weges endete die Tour im Virgental. Aus dieser Tour haben wir jedenfalls viel mitgenommen, was Planung und Durchführung einer Hochtour betrifft. Die Umplanung während der Wanderung war jedenfalls überhaupt kein Problem, da selbst in der Hochsaison aufgrund der vielen Hütten auch während der Tour eine Umplanung ohne weiteres möglich war. Hier folgt nun eine Beschreibung der einzelnen Tage:

 

 

Tag 1.  Mittersill über Meininger Alm zur St.-Pöltener Hütte

Am ersten Tag trafen wir uns im Zentrum von Mittersill und nutzten einen Taxitransfer zur Meininger Alm am Fuße der Felbertauern. An der dortigen Rangerstation sollte die eigentliche Wanderung beginnen. Für den ersten Tag war der etwa 3 1/2 stündige Aufstieg zur St. Pöltener Hütte geplant. Dieser führte über bewirtschaftete Bereiche immer höher hinaus. Dabei begegneten uns schon eine gute Anzahl an Wanderern und Mountainbikern, die sich den Berg hochquälten. Die Natur nahm langsam hochalpinen Charakter an und wir sahen die ersten Gämsen. Die Gruppe hatte hervorragende Laune und wir konnten den ersten Hüttenabend sehr genießen. Stefan hatte noch nicht genug und erklomm, nachdem wir auf der Hütte angekommen waren, noch den benachbarten Tauernkogel (2988m).

 

Tag 2. St. Pöltener Hütte zur Neue Prager Hütte

An der St. Pöltener Hütte stiegen wir morgens in den Venediger Höhenweg ein. Dieser folgte auf der Nordseite des Felbertauerntals in großer Höhe dem Relief. Es war eine großartige Wanderung mit grandiosem Panorama. Von diesem Stück des Weges aus sieht man sowohl den Großglockner als auch den Gipfel des Großvenedigers. Zudem sahen wir hoch in der Luft einen jungen Steinadler. Am Ende dieses Westweges stiegen wir nach knapp 5 Stunden leider in das Tal hinab. Leider, weil wir wussten, dass wir das alles wieder hoch mussten, um die Neue Prager Hütte zu erreichen. Dieser Anstieg forderte uns alles ab, es zog sich stur den Berg hoch. Und da: Eine Hütte kam in Sicht! Doch nein, das war nicht das Ziel…

 

Es handelte sich um die Alte Prager Hütte! Die Neue Prager Hütte liegt nochmal mehr als 300m höher. Und so quälten wir uns weiter den Berg hinauf und waren einfach nur froh als wir oben ankamen. Bedingt durch ihre Lage auf über 2800m direkt im Osten der Venedigergruppe ist die Neue Prager Hütte einer der wichtigsten Ausgangpunkte für die Besteigung des Großvenedigers. Daher war sie auch bei unserem Besuch sehr gut besucht und wir mussten eine ganze Weile auf unser Essen warten. Dafür war es aber exzellent! Parallel zum Essen zogen nördlich von uns mehrere Gewitterzellen über die Alpen. Hannah schnappte sich ihre Kamera (Canon EOS 700D) und opferte die gemütliche Wärme der Hütte gegen die wunderbare, kalte Luft draußen um die bedrohliche aber beeindruckende Wolken- und Sonnuntergangsstimmung einzufangen.


Es war Zeit fürs Bett, aber Schlaf fand sich bei den meisten unserer Gruppe nicht ein: Der DAV stellt für diese Hütte Holzschuhe als Hüttenschuhe bereit, die unglaublich laut durch das Haus schallen. Da half nur Oropax auspacken und hoffen, dass der Schlaf irgendwann kommt, da bis spät in die Nacht Gäste im Haus aktiv waren und natürlich schon sehr früh morgens wieder in Aufbruchsstimmung waren.

 

Tag 3. Neue Prager Hütte zur Badener Hütte

Mit einem spektakulären Gletscherblick zum Frühstück machten wir uns auf den Weg zur Badener Hütte. Dafür stiegen wir den Weg den wir uns am Vortag mühsam hinaufgeschleppt haben bis zur Alten Prager Hütte wieder hinab. Dort bogen wir rechts ab, weiter in das Tal hinab, bis unterhalb der Gletscherzunge. Von dort ging es wieder auf ein Plateau, wo wir das „Auge Gottes“, einen kleinen See im Grünen passierten. Entlang der alten Seitenmoräne des Gletschers stiegen wir zum Löbbentörl entlang einer alten Seitenmoräne auf. 

 

Dort pausierten wir, aber schnell wurde ersichtlich, dass das Wetter umschlug. Wir machten uns daraufhin zügig auf den Weg zur Badener Hütte. Der Weg dorthin führte uns durch eine wilde Landschaft mit wunderschönen Wegen und kleineren, teils versicherten Kletterpassagen. Definitiv eins der Highlights der ganzen Tour! Kurz vor dem Einsetzen des Regens erreichten wir die Badener Hütte. Die Badener Hütte ist die kleinste, urigste und entlegenste der ganzen Tour. Dafür bietet sie gemütliche Schlafräume, eine warme Dusche und sehr gutes Essen zu relativ günstigen Preisen.

 

Tag 4. Badener Hütte Zur Eisseehütte

Der nächste Morgen begann leider mit einem großen Ärgernis: Stephans Stiefel waren weg! Unbekannte hatten lange bevor wir aufstanden entweder absichtlich die Stiefel von Stephan mitgehen lassen, oder einfach verwechselt. Da die übrig gebliebenen Schuhe in gleicher Farbe und Größe Stephan passten, aber schon sehr abgelatscht waren und im späteren Verlauf der Wanderung auch kaputt gingen, gehen wir im Nachhinein leider von ersterem aus. So etwas passiert extrem selten, aber verhindern kann man es nicht, da alle nassen Jacken und Schuhe im Trockenraum lagern.

 

 

Der Weg führte uns erst einmal etwas hinab ins Tal unterhalb der Badener Hütte und dann hangparallel zum Fuß der Galtenscharte. Dieser Aufstieg war die erste „schwarze Route“ der Tour und wurde mit dem Geröllfeld im oberen Teil des steilen Aufstiegs, über nassen, glitschigen Schiefer und (teilweise sehr fragwürdig aussehenden) versicherten Strecken dem postulierten Schwierigkeitsgrad gerecht. Dieses Wegstück ist definitiv wahnsinnig anstrengend, erfordert eine durchgehend höchste Konzentration und setzt voraus, dass der Wanderer schwindelfrei ist! Nach zwei Stunden Aufstieg machten wir erst einmal eine Verschnaufpause an der Scharte. Durch die schrofigen Felsen sahen wir schon das Dach der Bonn-Matreier Hütte! Skiwasser in greifbarer Nähe! Dachten wir…

 

Tatsächlich mussten wir noch zwei kleinere Scharten mit Auf- und Abstieg über teilweise stark blockiges Gelände queren. Auch diese kleinen Steige waren teilweise versichert. An der Bonn-Matreier Hütte entdeckte ich sehr schnell das „Gummersbacher Eck“, das nach meiner Heimat benannt wurde. Hier gönnten wir uns erst einmal einen Kuchen und teilweise einen Schnaps bevor es weiterging. Wir folgten dem Venediger Höhenweg knapp 1200 Meter über dem Virgental über grasbewachsene Hänge. Ab und zu standen uns kurze Scharten mit viel auf und ab, sowie wilde Tiere (ja, die Kühe sahen definitiv sehr hungrig aus!) im Weg. Der Weg zwischen der Bonn-Matreier Hütte und der Eisseehütte zog sich sehr, im Nachhinein war uns klar, warum die Strecke zwischen Badener und Eisseehütte eigentlich als zwei Etappen angegeben ist. Sehr erschöpft errichten wir die Eissee Hütte und genossen das ausgezeichnete Essen.

 

Tag 5. Eisseehütte auf die Weißspitze 3300m und zurück zur Eisseehütte

An diesem Tag bestiegen wir endlich unseren 3000er. Während Hannah und Andrea am Eissee blieben und auf Fotosafari gingen und die Hütte gefühlt leer gefuttert haben, bestieg der Rest die benachbarte Weißspitze. Dabei nutzten wir einen erst im Jahr davor eingerichteten neuen Aufstieg über ein sehr steiles Blockfeld. Ganz oben findet man übrigens das rot-grüne Gestein Eklogit und mit etwas Glück blaue Minerale, Disthene.

 

Als wir uns endlich ins Gipfelbuch eingetragen hatten wurden unsere Mühen mit einem grandiosen Rundblick bis zu den Dolomiten und zum wolkenumhangenen Venedigermassiv belohnt. Danach stiegen wir wieder hinab und ließen den letzten Abend der Tour bei ausgezeichnetem Essen und einigen Bieren ausklingen.

 

Tag 6. Eisseehütte nach Prägraten am Großvenediger

Am letzten Tag begaben wir uns von den Höhen ins Virgental hinab nach St. Pölten. Am Großvenediger. Es wurde grüner und grüner und vor allem wärmer. Unten angekommen gönnten wir uns erstmal Leckereien vom Bäcker und ein Eis. Danach ging es mit dem Taxi zurück nach Mittersill wo die Tour endgültig endete.

 

 

 

Fazit:

 

Wundervolle Hochtour!  Gute Kondition ist aber Grundvoraussetzung. Die Wege sind gut erschlossen, aber nicht immer eben: Es geht viel über Blockfelder und teilweise Schotter. Gerade auf den Strecken von Tag 3 und Tag 4 sind kleinere Wegstücke ausgesetzt und mehr oder minder gut versichert. Für diese Etappen sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit eine Grundvoraussetzung! Im Nachhinein wäre es zudem sinnvoll gewesen, Tag 4 auf zwei Etappen zu splitten und eine Übernachtung auf der Bonn-Matreier Hütte einzuschieben. Es gibt reichliche Übernachtungsmöglichkeiten, die Variationen der Tagestouren zulassen.

 

 

 

Ca. 65 km Strecke

 

5850m Hinauf

 

5750 Runter

Mehr Informationen zur Tour gibt es hier.

 

 

 

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